F.F.P.U.S

 

 

 

 

 

 

 

Die Familie in sich

wandelnden Zeiten

 

 

 

 

 

 

 

Heiner Handschin

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Familienföderation für Frieden und Einheit (Schweiz)

 

Vorwort

 

Familienbeziehungen prägen sehr stark unser ganzes Leben. Was wir im Kreise unserer direkten Angehörigen erleben, das heisst unserer Familie, mit Vater und Mutter, Brüder und Schwestern, Grosseltern und Enkel, bestimmt weitgehend unsere Beziehungsfähigkeit in der Gesellschaft. Erfüllende zwischenmenschliche Beziehungen sind das Erfolgsgeheimnis in vielen Bereichen, wie Beruf und öffentliches Leben, aber auch Freizeit, Leasure und Hobby. Erfüllende zwischenmenschliche Beziehungen bestimmen kurzum unseren Gemütszustand überhaupt. Ein ausgeglichenes Gemüt ist die beste Vorraussetzung für Kreativität und Produktivität. Demgegenüber ist ein Mensch der überall mit Anderen in Disharmonie und Konflikt lebt, unanziehend und in vielem sehr wenig effekiv.

 

Der Familienzerfall, der in der heutigen Zeit dramatische Dimensionen angenommen hat, verkompliziert die ohnehin schwierigen zwischenmenschlichen Verhältnisse. Jeder dritte leidet an Problemen mit seiner eigenen Familie. Der Familienzerfall und die damit verbundene Beziehungsarmut und Vereinsamung des Individuums, haben eine Entfremdung des Menschen von sich selbst mit sich gebracht. Wir sind unbewusst geworden, um unsere «herzensmässigen Fähigkeiten» und verschliessen uns vor dem Reichtum erfüllender zwischenmenschlicher Beziehungen.

 

Die vorliegende Studie möchte nicht vorgeben, die einzig richtigen Antworten für die zentralen Fragen in diesem Zusammenhang geben zu können. Sie sollte die Familie, ihre Struktur und Form, ihre Bedeutung und Rolle in unserer Gesellschaft und Welt näher beleuchten. Daneben sollten aber auch Hauptpunkte und Gründe für die heutige Familienkrise erläutert werden. Dass darüber die Meinungen auseinander gehen können ist selbverständlich. Fest steht jedoch, dass die Familie ein sozialer Mikrokosmos ist, der die Stärken und Schwächen der weiteren Sozialstruktur unserer menschlichen Gesellschaft zum einen schafft und zum andern auch reflektiert. Wer eine Verbesserung der gesellschaftlichen Strukturen anstrebt, muss deshalb auf die Familie als Schlüsselelement zurückkommen. Die Studie gliedert sich in 2 Teile:

 

Teil 1: Die Krise der Familie in der heutigen Zeit

Teil 2: Die Bedeutung, Rolle, Funktion und Formen der Familie

 

 

Heiner Handschin, FFES/FFPUS

 

Genf, im Oktober 2000

 


 

Teil 1. 6

Die Krise der Familie in der modernen Gesellschaft.. 6

1.       Ehe und Familie in sich ändernden Zeiten.. 7

1.1      Die Ehe - ein Gesinnungswandel in den letzten 50 Jahren. 7

1.2      Der Familienzerfall - eine traurige Realität 7

1.3      Ehescheidungen hinterlassen tiefe Wunden. 7

2.       Die Gründe für den ansteigenden Familienzerfall in den letzten fünfzig Jahren. 8

2.1      Die Ich-Kultur ‑ Das Problem der modernen Gesellschaft 8

2.2      Die Familie hat die Modernität nicht überlebt. 9

2.3      Kein Verständnis um «selbstverständliche Wahrheiten». 10

2.4      Die traditionelle Religion ist gegenüber der rasanten Eskalation des sittlichen Zerfalls ratlos. 11

2.5      Respektvolle Mann-Frau Beziehungen sind untergraben. 11

2.6      Die traditionelle Gesellschaft belohnte Familien – die moderne Gesellschaft entmutigt sie. 12

2.7      Die Krise der Familie und Gesellschaft ‑ Die Wissenschaft kennt keine Lösung. 13

2.8      Versuche von Regierungen haben fehlgeschlagen. 13

3.       Die Folgen des Familienzerfalles.. 14

3.1      Zivilisationen gehen unter aufgrund des Familienzerfalls. 14

3.2      Die Skepsis der Jugend gegenüber der Ehe und Familie. 15

3.3      Die selbstzerstörerischen Tendenzen der heutigen Jugend. 16

3.4      Kindesmissbrauch. 17

3.5      Zerfallende Familien – Ein Ausgangspunkt für zunehmende Kriminalität und Verbrechen. 17

Teil 2. 18

Die soziale Bedeutung der Familie.. 18

4.       Die Bedeutung der Familie als «menschliches Ökosystem». 18

4.1      Verschiedene Familienstrukturen im Wandel der Zeit 19

4.1.1        Die Kernfamilie (Kleinfamilie) 20

4.1.2        Die Erweiterte Familie (Grossfamilie) 21

4.1.3        Übersicht: Familienformen*. 22

5.       Grundsätzliche Funktionen der Familie.. 22

5.1      Die Familie – Schule des Herzens und der Fähigkeit zu lieben. 23

5.2      Die vier Bereiche des Herzens und der Liebe in der Familie. 23

5.2.1        Das fundamentale Prinzip des «Gebens und Nehmens». 23

5.2.2        Die vier Herzensbeziehungen in der Familie. 24

5.2.3        Die Eltern – Kind Beziehung, und die Kind – Eltern Beziehung. 25

5.2.4        Die geschwisterliche Beziehung. 26

5.2.5        Herzensbeziehung in Partnerschaft und Ehe. 27

5.2.6        Jugend, Sex und Ehe. 28

5.3      Die Familie ist die erste Schule von Ethik, Moral und des Friedens. 30

5.4      Die partnerschaftliche Familie - der Grundbaustein für eine demokratische Gesellschaft und Welt 31

5.4.1        Vergleich der dominanten und partnerschaftlichen Familien. 32

5.5      Das universelle Modell der Ehe und Familie. 32

5.5.1        Familienbeziehungen sind durch geistige Gesetze bestimmt und nicht durch gesellschaftliche Konventionen. 32

5.5.2        Der Zusammenbruch der Gesellschaft geht weiter voran, wenn die Menschen den universalen, von Gott gegebenen Zweck von Ehe und Familie, ignorieren. 33

5.5.3        Soziale und gesellschaftliche Probleme können durch gesunde und echt liebende Familien am sichersten gelöst werden  33

5.5.4        Gute Familien pflegen «sexuelle Verantwortung». 34

5.5.5        Statistiken zeigen auf, dass verheiratete Paare glücklicher, gesünder und wirtschaftlich stärker sind als Ledige oder Paare in einer «freien» Gemeinschaft lebend. 34

 

 


 Teil 1

 

Die Krise der Familie in der modernen Gesellschaft

 

Der heutige Familienzerfall ist eine Herausforderung für alle. Aus Ignoranz um den zentralen Wert und die Bedeutung und Rolle der Familie lassen wir in unserer permissiven Gesellschaft immer mehr Schranken fallen. Der Ruf nach «Befreiung von allen altherkömmlichen Werten» lässt uns oft auch allgemeingültige Prinzipien über Bord werfen. Diese «Befreiungsmanie» macht auch vor fundamentalsten Werten nicht halt. Die Früchte der «Laisser faire» - Politik in unserer Gesellschaft, lassen sich in der nur schwer beizukommenden Jugend erkennen, die sich völlig haltlos von einem zerstörerischen Treiben ins andere drängen lässt. Jugendkriminalität, Drogenkonsum, verfrühte sexuelle Aktivität mit ungewollten Teenage-Schwangerschaften, sind einige Beispiele solcher Abgründe, die sich vor immer mehr Jugendlichen aufzutun scheinen. Diese Tendenzen gehen einher mit der zunehmenden Verwahrlosung der Jugend, die auf wenig Schutz von seiten ihrer Familien und Angehörigen rechnen kann.

 

Im Kern dieser Zerfallserscheinungen ist die Auseinandersetzung um das fundamentalste Rechts des Menschen, nämlich das Recht auf eine gesunde Familie.

 

Doch eben gerade dieses fundamentale Recht wird vielen jungen Menschen heute aberkannt. Fragen wir Kinder was eine Familie sei, so bekommen wir eine sehr unkomplizierte Antwort: «Familie ist Papa, Mamma, mein Bruder, meine Schwester und ich. Aber es ist auch Opa und Oma, Onkel, Tante, kurzum alle die mich lieb haben». Fragen wir jedoch Soziologen und Familienberater, so werden wir mit sehr verwirrenden und unklaren Begriffen konfrontiert. Viele Menschen sind nicht mehr zufrieden mit gesellschaftlichen Konventionen. Wie sie sagen, trifft dies auch für die Familie zu! Die Familie, eine Konvention unserer Gesellschaft oder eine uns gegebene, natürliche Institution?

 

1.       Ehe und Familie in sich ändernden Zeiten

1.1            Die Ehe - ein Gesinnungswandel in den letzten 50 Jahren

 

1950:

Bis dass der Tod uns scheidet

 

 

 

Ein gemeinsames Bankkonto

 

 

Eine Karriere

 

 

Broterwerb und Nestbau

 

Kinder sind erwünscht

 

Scheidung ist beschämend

 

Mann ist Ehemann, Frau ist Ehefrau

 

2000:

50 Wege, den Geliebten zu verlassen

(Song von Paul Simon)

(+1) (51, wenn Sie einen guten Anwalt haben)

 

2 Bankkonten, 2 Bankomatkarten und

10 Kreditkarten.

 

Zwei Karrieren, drei Vereine und getrennte

Ferien

 

Kinderhort und auswärts essen.

 

Kinder sind eine Alternative

 

Scheidung ist angebracht

 

… was auch immer.

 

 

 

Der Vergleich der Einstellung zu Ehe und Familie zwischen den Fünfzigerjahren und heute zeigen einen deutlichen Gesinnungswandel auf. Die «sexuelle» Revolution der Sechziger-Jahre brachte namentlich in der westlichen Hemisphäre neue, der Familie sehr abdienliche Lebensverhalten und Einstellungen mit sich.

 

1.2            Der Familienzerfall - eine traurige Realität

 

Statistiken über Ehescheidungen in der Schweiz im Jahr 1999 ergaben eine Scheidungsrate von leicht über 50%*! Dabei ist zu beachten, dass die Tendenz eher Richtung weniger Eheschliessungen wies, während die Scheidungen prozentual zugenommen haben. Eine solche Ziffer von 50% ist ein alarmierendes Indiz für das Ausmass der Zerfalls unserer heutigen Gesellschaft.

 

*Erläuterung- Die jährlichen Scheidungsraten beinhalten nur zum geringen Teil Scheidungen von Ehen die im gleichen Jahr geschlossen wurden. Es werden hier die Anzahl Eheschliessungen mit der Anzahl Ehescheidungen verglichen.Damit wird verständlich, dass Zahlen über Ehescheidungen in den meisten Fällen nicht nur Scheidungen von Ehepaaren ohne Kinder betreffen, sondern vielmehr die Anzahl zerfallender Familien mit Kindern beinhalten.

 

 

1.3            Ehescheidungen hinterlassen tiefe Wunden

 

Nach einer amerikanischen Untersuchung befinden sich viele Ehepartner 12 bis 18 Monate nach der Scheidung immer noch in einer Krise und die entstandenen Wunden scheinen sehr schwierig zu heilen. Eine Umfrage bei «Scheidungskindern» ergab eine viel dramatischere Dimension dieser schwer verheilenden Wunden:

 

n       Nach 5 Jahren klagten 37% aller befragten Scheidungskinder über einen generell schlechteren Gemütszustand als vor der Scheidung.

n       Nach 10 Jahren empfanden 41% aller befragten Scheidungskinder „wenig Selbstachtung, sowie ein mangelndes Selbstvertrauen. In vielen Fällen entwickelten sie sich zu unzufriedenen und verbitterten jungen Männern und Frauen.“

n       Im Alter von 19 - 23 Jahren fanden 66% aller weiblichen Scheidungskinder, dass sie eine latente Unruhe in sich spürten. Die tiefe Verwundung, die sie durch die Scheidung ihrer Eltern in ihrer Jugend erfahren hatten, schien noch stark gegenwärtig, und die wichtigste Ursache für anhaltende Probleme und gesundheitliche Störungen zu sein.“

(Judith S. Wallerstein, «Kinder nach der Scheidung: Wunden, die nicht heilen.» in

«Perspectives on Marriage»)

 

Beispiele für anhaltende Probleme und gesundheitliche Störungen von Scheidungskindern:

Grössere Krankheitsanfälligkeit generell, vermehrte Tendenzen zu Asthma, Kopfschmerzen, Sprachfehler, Stottern, Verhaltensprobleme usw. Zudem wurde bei Scheidungskindern ein erhöhter Bedarf für professionelle Hilfe bei emotionalen Problemen und Verhaltensproblemen festgestellt.

 

 

2.       Die Gründe für den ansteigenden Familienzerfall in den letzten fünfzig Jahren.

 

2.1            Die Ich-Kultur ‑ Das Problem der modernen Gesellschaft

 

                        «Wir alle irrten umher wie die Schafe, jeder ging seine eigenen Wege» (Jesaja 53:6)

 

Die heutige westliche Welt feiert die Bedürfnisse des Individuums in jedem Bereich als höchste Krönung westlicher Kultur. Dabei ist dieser Individualismus sehr einseitig, weil individuelle Rechte vorgehen und Pflichten, in den Hintergrund geraten oder gar vergessen werden. Der heutige Individualismus bedeutet nicht Verantwortung des Selbst, sondern:

 

§         persönliche Verwirklichung und Erfüllung vor jedem anderen Wert

§         keine ausserordentlichen Verpflichtungen

§         Betonung der Privatsphäre und der persönlichen Rechte

§         die Oberherrschaft des autonomen „Ich“

§         nur vertragliche Beziehungen

 

«Wir haben unsere menschlichen Beziehungen aus freien Stücken an vertragliche Regelungen gebunden. Eine grosse Errungenschaft der feministischen Bewegung ist das Einführen des vertraglichen Denkens im Zentrum des privaten Lebens zwischen Liebenden, Ehepartnern, Eltern und Kinder.» (Peter Berger, „Erste Dinge“ April 1996).

 

n       «Vertragliche» Abkommen werden zu bestimmenden Faktoren in der Ehe.

Ich gebe Dir, wenn Du dies und das für mich tust. Ich liebe Dich, wenn Du mir diesen und jenen Liebesdienst erweist. Ich teile mit Dir, wenn Du mir Dein Vermögen gibst!

n       «Vertragliche» Abkommen werden zu bestimmenden Faktoren zwischen Eltern und Kindern.

Ich gehorche Dir wenn Du mir dies und das kaufst. Ich liebe Dich, wenn Du meine Erwartungen erfüllst!

n       «Vertragliche» Abkommen bestimmen die Beziehungen im zwischenmenschlichen Bereich.

Ich lade Dich zum teuren Nachtessen ein, wenn Du mit mir dann zur Party kommst!

 

 

2.2            Die Familie hat die Modernität nicht überlebt.

 

Die Ehe wird in steigendem Masse als einfacher gegenseitiger Vertrag betrachtet. Er kann eingegangen, erhalten und aufgelöst werden, wie und wann es den Beteiligten als richtig erscheint.

 

Das heisst: Die Ehe hat keinen weitergehenden Zweck, keine weitergreifende Bedeutung, ausser der Befriedigung der Interessen der beteiligten Individuen. Dabei kommt die gemeinsame Umsorgung von Kindern durch Eltern erst an zweiter Stelle. Das ist die Bedeutung von Individualismus in der heutigen, erkrankten Form.

 

Die Familie hat die Verwirrung der Modernität nicht überlebt. Um es allen individuellen Forderungen recht zu machen werden staatliche Institutionen und zuständige Behörden und Ämter immer unklarer, verwirrter und zu Kompromissen bereit. Die Ethik in Bezug auf Ehe und Familie, die früher durch kirchliche Institutionen streng hoch gehalten wurde, ist heute beinahe völlig über Bord geworfen worden. Zwar werden vielerorts spezielle Aemter für Familienbelange und -beratung, geschaffen, jedoch scheinen bei diesen Aemtern kurioserweise Ethik und Familienwerte ein Tabu zu sein.

 

Als Beispiel kann die Aussage deutschen Bundesfamilienministerin Christine Bergmann (SPD) dienen. Sie formulierte den Begriff «Familie» folgendermassen:

 

«Familie ist überall dort, wo es Kinder gibt – diese Formulierung hat ja auch die CDU – Vorsitzende Angela Merkel von uns übernommen. Familie ist dort, wo Erwachsene mit Kindern zusammenleben. Das kann in ganz unterschiedlichen Formen geschehen, also die traditonelle Familie mit Trauschein, die ohne Trauschein, Alleinerziehende, Pflegefamilien und noch einige andere. Die Form der Familie hat sich erweitert, aber alle Formen sind für uns gleichwertig. Wichtig ist in diesen Lebensgemeinschaften, ob sich die Kinder geborgen fühlen, ob sie lernen in einer Gemeinschaft zu leben, ob sie ein Selbstwertgefühl bekommen.»

(Die Welt, vom 1. 9. 2000)

 

Definiert ist die Familie somit als eine Lebengemeinschaft von Kindern mit mindestens einem oder auch mehreren Erwachsenen. Welche Formen die «Familie» auch hat, alle Formen sind für die Bundesministerin gleichwertig.

(Bemerkung: Keine Rede von Ehepartnern, Ehemann, Ehefrau, Vater, Mutter, Verwandschaftsbeziehung zwischen Eltern und Kindern, keine Besonderheit der Eltern – Kind- Beziehung. Aufgrund eines dermassen verwässerten Verständnisses von Familie, kann die Forderung von Frau Bergmann, dass Familien –nach ihrer Definition- Kindern Geborgenheit und Selbstwertgefühl geben sollen, nur als eine unrealistische Wunschvorstellung gesehen werden.)

 

Ganz klar wird, dass die «natürliche Familie», mit ihrem Zentrum der ehelichen Liebe zwischen Ehemann und Ehefrau, in ihrer wesentlichen Bedeutung als Zelle und Stabilisierungsfaktor unserer Gesellschaft, nicht mehr verstanden wird. Ebensowenig wird die Familie in ihrer Funktion als Schule echter Liebe und Lernstube zwischenmenschlicher Beziehungen, gesehen.

 

Als Resultat des sich Lossagens von jeglichen Werten in Ehe und Familie konnte man durch Umfragen bei Eheleuten in der Schweiz folgendes beobachten:

 

«Die neuerlichen Forderungen nach «Freiheit» und Akzeptanz strukturloser Lebensgemeinschaften haben einen unerwarteten Tribut gefordert. Die Beziehungen zwischen Männern und Frauen in «losen» Partnerschaften werden schwieriger und weniger erfüllend. Zudem erfahren viele Frauen eine latente wirtschaftliche Unsicherheit. Viele Männer sind von ihren Partnerinnen und Kindern zunehmend isoliert und entfremdet…. Die Vereinsamung des Individuums hat in den letzten Jahren um ein Vieles zugenommen.» (TA 22. 11.92)

 

Das Lennon-McCartney-Lied „Eleanor Rigby“, veranschaulicht diese Vereinsamung des Menschen, am Beispiel der unverheirateten Frau, Eleanor Rigby, die einsam und verlassen starb und begraben wurde. Niemand kam für ihr Begräbnis… , niemand trauerte um sie. Der Refrain fragt:

„Alle die einsamen Menschen/Woher kommen sie alle?

Alle die einsamen Menschen/Wo gehören sie alle hin?

 

 

2.3            Kein Verständnis um «selbstverständliche Wahrheiten»

 

Wir haben kein Verständnis mehr über selbstverständliche Wahrheiten. Dazu gehört auch der Bereich der «Ethik und Wahrheit» in Ehe und Familie. Die neuen «Helden oder Idole» der Moderne sind zwar oft genial, kreativ oder enorm effektive Macher, in Bezug auf Charakter-Reife, Herzensreife oder Menschlichkeit scheinen sie jedoch wenig beeindruckend. So lassen denn vermehrt Skandale und schmutzige Affären im Bereich von Ehe und Familie, diese «Vorbilder» wenig vorbildlich erscheinen.

 

In einer Ausgabe von USA Today (Juni 1996) wurde über den christlichen Rockstar Michael English berichtet (1994 mit 6 «Dove»- Awards ausgezeichnet). Er hatte eine Affäre mit einer anderen christlichen Sängerin, Marabeth Jordan, die von ihm ein Kind erwartete. Beide, English und Jordan, waren zu dieser Zeit mit anderen Partnern verheiratet. Heute sind sie geschieden. Sie hatten ein Kind zusammen, jedoch heirateten nicht. Der Kommentar von Jordan zu USA Today: «Die Religion gab mir zwar Schuldgefühle, aber ich glaube trotzdem noch an Gott und sein Wort».

 

Selbst Menschen mit religiösen und moralischen Grundsätzen geben den gegenwärtigen Tendenzen des Wertezerfalls nach und sind verwirrt im Bezug auf allgemeingültige Werte:

 

Umfragen von 1996 ergaben, dass 80% aller Schweizer sich zwar einer Glaubensrichtung zuordnen, aber 65% davon an keine «absoluten, verbindlichen Werte» glauben.

(Bericht von „Blick“ im Juni 1996.)

 

 

n       Wahrheit ist subjektiv und nicht verbindlich und hängt vom Betrachter ab: «Du hast Deine Wahrheit, ich habe meine!»

n       Religion wird dem Bereich «Meinungen» im Gegensatz zum Bereich des «Wissens» zugeteilt.

n       Keine absoluten Standards, nichts ist konstant, nichts ist verlässlich. Es ist das Zeitalter des Wertezerfalls, der Unentschlossenheit. Es spielt wirklich keine Rolle, was ich denke - es spielt keine Rolle, was ich tue - das Leben an sich ist sinnlos!

n       Der heutige Mensch krankt im Herzen. Die Medien haben uns alle mit «Informationen ohne Wissen» (Wertverständnis), «Meinungen ohne Prinzipien» (Ethik, Moral), «Instinkte ohne Glauben» gelassen.

 

 

2.4            Die traditionelle Religion ist gegenüber der rasanten Eskalation des sittlichen Zerfalls ratlos

 

Die traditionellen Religionen vermochten den Menschen im Mittelalter durch religiöse Dogmen und Leitsätze zwar zu führen, hinterliessen jedoch oft Schuldgefühle und eine falsche «äusserliche» Moral. Das Verständnis von Gut und Böse wurde oft missinterpretiert und konnte sich durch die Entwicklung von Wissenschaft und Technik schon seit den Anfängen der Aufklärung nicht mehr halten. Die «sexuelle Revolution» in den 60 iger Jahren des letzten Jahrhunderts wischte dann die noch verbliebenen christlichen Grundideen von Ethik und Moral in der westlichen Welt völlig weg.

 

Auch dogmatische Postulate der Kirchenführer der katholischen Kirche, was z.B. Ehescheidungen und Ehebruch, Schutz des Ungeborenen usw. betrifft, werden von Gläubigen weniger und weniger ernst genommen. Was zu fehlen scheint, sind erfassbare und verständliche Gründe, weshalb eine «lose» und «moralisch ethisch unverantwortliche Lebensführung» schlichtweg selbstzerstörerisch ist.

 

Traditionelle Religionen beharren jedoch zu oft noch auf dogmatischen Standpunkten in Bezug auf Gut und Schlecht, ohne verständliche Erklärungen abzugeben: «Die Sünde bringt Dich in die Hölle!»

 

 

2.5            Respektvolle Mann-Frau Beziehungen sind untergraben

Im Zuge der materiellen Entwicklung wird der Mensch mehr und mehr zu einer Produktivkraft, (Arbeitnehmer), zu einem Konsumenten (Verbraucher) und schliesslich zum Konsumgut selbst. Man spricht von der Ware «Mensch».

 

Auch in der Beziehung zwischen den Geschlechtern wurde diese Entwicklung in letzter Zeit sichtbar. Der tiefe Respekt zwischen Mann und Frau, als menschliche Wesen, als Partner einer dauernden Liebesbeziehung, sind wesentliche Vorraussetzungen für eine gute Ehe und Familie.

 

Die heutige Entwicklung zeigt jedoch ein Abgleiten in materialistische Bewertungen des anderen Menschen. Menschliche Würde und Respekt finden dabei wenig Platz. Was bleibt sind zügelloser Individualismus und körperliche Wünsche. Der Wert einer Person wird im Extremfall sogar in Geld gemessen.

 

Die Jugend hat im Bezug auf die Beziehung zum andern Geschlecht nur wenig oder gar keine Führung. Begreiflicherweise sagt sie: «Ich tue, was mir beliebt.»

 

Unsere verwirrten Institutionen möchten der Jugend dazu verhelfen, sich selbst auf den grössten Abwegen wiederzufinden. Man fürchtet das altherkömmliche, traditionelle (oder was so ausschaut) und spornt die Jugend an «ihre eigenen Erfahrungen» zu machen.

n       Während der Sechziger-Jahre sagte man: «Wenn es sich gut anfühlt, tue es.»

n       In den Neunziger Jahren heisst es: «Versuche es und finde heraus, wie es sich anfühlt.»

n       Freie, unverantwortliche Beziehungen zwischen den Geschlechtern gelten als «neue» Therapie.

 

 

2.6            Die traditionelle Gesellschaft belohnte Familien – die moderne Gesellschaft entmutigt sie

 

Unsere Gesellschaft und Kultur wurde schon im Mittelalter von wirtschaftlichen Zusammenhängen geprägt. Mit dem Beginn der industriellen Revolution wurde dieser Einfluss noch um ein Vieles verstärkt. Menschen wurden aus den ländlichen Gebieten in neue entstandene wirtschaftliche Ballungszentren geholt. Dabei wurde die soziale Struktur namentlich der europäischen Gesellschaft sehr stark verändert. Die ursprünglichen Grossfamilien (Sippen), der urbanen Landbevölkerung wandelten sich zu Kleinfamilien, die auf engem Raum zusammengepfercht in den neu dafür konzipierten Mietskasernen nahe der Industrieorte untergebracht wurden.

 

Die Zeit der industriellen Revolution, kann als Beispiel dafür dienen, wie die wirtschaftlichen Gegebenheiten die Struktur unserer Familien in Europa ganz zentral beinflusst und verändert haben.

 

In der heutigen Zeit, erleben wir eine erneute wesentliche Herausforderung an die Familienstruktur, wie sie bis heute bestanden hat. Durch die Globalisierung der Märkte, die transnationalen Wirtschaftsverflechtungen, werden Familienbeziehungen enormen Belastungen ausgesetzt.

 

n  Familien werden durch den Effekt der Globalisierung der Märkte belastet dadurch, dass Ehepartner sich aufgrund der unterschiedlichsten Arbeitszeiten und – Rhytmen leicht auseinanderleben. Mit der Computerrevolution, der elektronischen Kommunikationsmittel und Techniken wird der Mensch mehr und mehr von direkten Beziehungen entfremdet. Elektronische Kommunikation bewirkte eine Abschwächung der Beziehungen von Gesicht zu Gesicht zugunsten von Fernsehen, Filmen, Telefon und Internet. Vorbei ist der Sinn für Nachbarschaft, für Familienzu- sammenkünfte, für den Zusammengehörigkeitssinn allgemein und den Sinn für «zu Hause».

n       Viele Kinder kommen von der Schule und finden keine Eltern zu Hause, weil beide Teile aufgrund wirtschaftlicher Zwänge arbeiten müssen. So sind Kinder während der Abwesenheit der Eltern oft den einschlägigen Medien wie Fernsehen, Internet, sowie auch Computerspielen, ausgesetzt, die oft über Gewalt(Durchschnitt: 200'000 Szenen im Alter von 18 Jahren) und Sex ( Durchschnitt: 100'000 Szenen im Alter von 18 Jahren) sehr schädigend auf den jungen Menschen einwirken.

n Die moderne Arbeitswelt verlangt von den Mitarbeitern ein volles Engagement. Als berufstätige Ehefrau und Mutter sich mehr als 10 Stunden pro Woche um das Kind kümmern zu müssen, bedeutet zuviel Aufwand für so manche Mutter-Kind Beziehung. Die wirtschaftlichen Sachzwänge erfordern eine Aenderung in der bisherigen Rolle der Ehefrau und Mutter, die nämlich darin bestand, als wesentlicher Ruhepol in der Familie, die Kinder zu Hause zu umsorgen. Nebst der Rolle der Bezugsperson für die Kinder, fällt der modernen Frau und Mutter noch die Zweitverdienerrolle zu, um den überdimensionierten Haushaltausgaben einer Familie in der hochzivilisierten westlichen Welt gerecht zu werden.

 

Der Präsident eines grossen Unternehmerverbandes betonte deshalb kürzlich, dass «in Anbetracht der enormen wirtschaftlichen Anforderungen, die an die heutigen Familien gestellt sind, es sich jeder zweimal überlegen sollte, ob es für Ihn wirtschaftlich tragbar sei, Kinder zu haben». Die wirtschaftlichen Erwägungen entscheiden demzufolge vorwiegend, ob Kinder zulässig sind oder nicht!

 

 

2.7            Die Krise der Familie und Gesellschaft ‑ Die Wissenschaft kennt keine Lösung

Soziologie und moderne Psychologie begannen vor etwa 100 Jahren. Die Menschen hatten die Heilserwartung, dass die Wissenschaften die Gesellschaft und Welt retten könnten. «Der moderne Gott der Wissenschaft und Technik» wurde zum Heilsbringer, einer modernen Form von Götzendienst.

 

Habakuk 2:18-19 - „Was wird denn das Idol helfen, das der Mensch gebildet hat? Oder das Bild, das Lügen lehrt? Weil derjenige, der sie macht, in seine eigene Schöpfung vertraut; er macht Idole, die nicht sprechen können. Weh dem, der zum Holz spricht: Wach auf! Und zum stummen Stein: Steh auf! Siehe, er ist mit Gold und Silber überzogen und kein Odem ist in ihm“. (Der Computer als modernes, Gott-gleiches Wundermittel, zur Lösung aller Probleme).

 

Die schnellen Fortschritte in Biologie, Psychologie und Soziologie haben das frühere menschliche Gefühl, dass der Mensch eine sehr spezielle und edle Kreatur und Abbild Gottes ist, stark vermindert.

 

2.8            Versuche von Regierungen haben fehlgeschlagen

 

Versuche von Regierungen, durch Programme dem rapiden Familienzerfall beizukommen, haben weitgehend fehlgeschlagen. Mit ein Grund für diese Fehlschläge ist die Tatsache, dass man hauptsächlich aufklärerisch bei den Jugendlichen angesetzt hat, und mit der sogenannten Sexualerziehung bei den Zielgruppen genau das gegenteilige Resultat hervorruft. Das unerwartete Resultat von steigender Jugendsexualität bei Mädchen zwischen 15 - 17 Jahren lässt sich auf die Programme in den Schulen zurückführen, die mehr anregend auf eine frühe sexuelle Aktivität wirken.

 

Zwischen der gesellschaftlichen Sexualerziehung und der Sexualaktivität im frühen Alter besteht mit grosser Wahrscheinlichkeit ein Zusammenhang. Deborrah Dawson, die Autorin einer Vielzahl von Sexualerziehungsstudien hat herausgefunden, das die empfängnisverhütende Erziehung den Beginn von sexuellem Aktivsein im Alter von 14 Jahren um 50% steigerte.

 

Gemäss der Zeitschrift „Sexualerziehung“ erhöhten sich die Jugendschwangerschaften um 50% (zw. 1970 und 1980) und die STD-Rate stieg um 350% zwischen 1965 und 1978.

(Walter Williams, „Die gesegnete Elite und ihre verwunschenen Ideen.“).

 

 

3.       Die Folgen des Familienzerfalles

 

3.1            Zivilisationen gehen unter aufgrund des Familienzerfalls

 

Die Ehe, als zentrale Axe jeder Familie, ist die wichtigste Institution, die unsere Zivilisation zusammenhält.Wenn man von der Institution «Ehe» spricht, so sollte nicht nur der legalistische Aspekt gesehen werden. Viel wichtiger ist in diesem Zusammenhang die innere Bedeutung der Ehe, als herzensmässiges Engagement echter Liebe gegenüber dem Ehepartner, anzusehen.. Dabei hat diese Beziehung der Liebe zwischen Ehepartnern einen exklusiven Charakter, und kann keine Eingriffe von aussen akzeptieren. In der heutigen Zeit versucht man allerdings diese Exklusivität zu untergraben, weil man zum einen aufgrund der inneren Leere in der Beziehung zum Partner, nach Veränderung sucht. Wichtig ist jedoch, dass viele eheliche Beziehungen sich über die Zeit totlaufen, weshalb viele Menschen nach einer Veränderung streben, die sie jedoch zu oft auf einer rein äusserlichen Ebene herbeiführen wollen. (Die eheliche Treue ist langweilig, der Seitensprung ist «Würze in der Suppe!»). Eine stabile Ehe in der die beiden Partner Leben, Liebe, Nachkommenschaft und auch ihre ganze Habe teilen ist in Tat und Wahrheit eine höhere, reichere und erfüllendere Lebensform als die des individellen Daseins. Eine solch stabile eheliche Partnerschaft ist der Kern einer guten, stabilen Familie.

 

Die Familie ist die kleinste Zelle unserer Gesellschaft, eine Art Mikro-Gesellschaft und sie leidet heute am besonders gefährlichen «Krebs» des Auseinanderbrechens der partnerschaftlichen Beziehung zwischen Ehemann und Ehefrau. Die Gefahr dieses gesellschaftlichen «Krebses» wird jedoch noch viel zu wenig klar gesehen. Nicht nur das, noch schlimmer ist, dass die Symthome dieses Krebses - uneheliche Geburten, sogenannte «One night stands», Ehebruch, hohe Scheidungsraten, sexuelle Verwirrungen, Homosexualität usw. – sogar heute als «alternative Lebensstile» gesehen werden.

 

Der Familienzerfall ist ein arges gesellschaftliches Übel, das verschiedenste hochentwickelte Zivilisationen in den verschiedensten Epochen der menschlichen Geschichte, zu Fall brachte. Geschichtsschreiber bemerken, dass das alte Rom an den gleichen Problemen, wie wir heute, litt. «In den ersten 500 Jahren des Römischen Reiches wurde nicht eine einzige Scheidung registriert. Bis ins Jahr 234 n. Chr.(zur Zeit von Paulus) war die Scheidung unter den Römern so häufig wie die Heirat. (John T. Bristow, «Was Paulus wirklich über die Frauen sagte»).

 

Um 100 v. Chr. entdeckte die römische Aristokratie die «romantische Liebe» und begann, traditionelle Werte einer regulären, guten Ehe und Elternschaft gering zu schätzen. Die römischen Aristokraten wurden bekannt durch ihre Scheidungen, ihre Ehebrüche und ihre Abscheu davor, Kinder zu zeugen.

(Anthony Guerra, «Die Familie im Römischen Reich: Christlicher Einfluss in die Wiederherstellung der antiken und mittelalterlichen Familie», Seite 5)

 

Die heutige Gesellschaft ist vergleichbar mit den Tagen des Römischen Reiches vor dem Zusammenbruch. Der Trend des Unterganges unserer westlichen Kultur wird immer deutlicher sichtbar. Wir vernachlässigen unsere Kinder, gefühlsmässig und erzieherisch. Die Ehen sind steigend instabil, wir akzeptieren mehr und mehr Gewalt, wir verlieren unseren erhaltenden geistigen Glauben und werden in eine materialistische Lebensphilosophie und Wettbewerbsfähigkeit gedrängt. Die Alten und Betagten werden ebenso wenig respektiert. Man sondert sie ab in Heimen, weg von unserem sehr schnellatmigen Lebensrythmus, wo sie ja doch nur «Hindernisse» und «Komplikationen» zu sein scheinen. Dieses zunehmende Aufsplittern unseres sozialen Gewebes bringt vermehrte Vereinsamung und Beziehungsgestörtheit mit sich.

 

3.2            Die Skepsis der Jugend gegenüber der Ehe und Familie

 

Aufgrund einer Umfrage bei Teenagern und Jugendlichen, die noch im «Schutzalter» sind wurden folgende Tendenzen festgestellt (in der Schweiz):

 

1. Die Jugendlichen unter 16 Jahren haben nach wie vor eine grosse Erwartung in eine zukünftige Ehe und Partnerschaft.

 

n       95% der Teenager beabsichtigen, zu heiraten, 80% erwarten einen Partner für das ganze Leben.

n       80% denken, dass es zu leicht ist, sich scheiden zu lassen.

n       70% denken, dass geschiedene Paare nicht alles daran gesetzt haben, ihre Ehe zu retten.

n       65% denken, dass sie sich nie scheiden lassen werden.

 

 

2. Umfragen bei älteren Jugendlichen (18 – 22 Jahre) ergeben ein plötzliches Absinken der Erwartung in eine stabile, eheliche Partnerschaft. Die Gründe, für das mangelnde Vertrauen in die Ehe, waren:

·         Fast jede zweite Ehe in der Schweiz wird geschieden.

·         Die Ehe überdauert in der Schweiz im Durchschnitt nur 7 Jahre.

·         86% jugendlicher Väter (unverheiratet) verlassen ihre Partnerin, nachdem diese ein Kind zur Welt gebracht hat.

 

Unsere Jugend wird demnach mit zunehmendem Alter skeptisch gegenüber der Institution der Ehe. Als einer der unerwarteten Nebeneffekte unserer hohen Scheidungsrate kann die Tatsache gesehen werden, dass viele unserer jungen Leute heute, keine Ehen mehr eingehen wollen.

 

Studien belegen weiter, dass junge Erwachsene die Ehe mehr und mehr als ein Ideal, das über ihren Möglichkeiten liegt, sehen. Da die wirtschaftliche Grundlage für die Ehe und Familie für Nicht-Akademiker schwieriger wurde, werden junge Menschen eher entmutigt, das «Wagnis einer Ehe» auf sich zu nehmen.. Die Ehe wird zwar immer noch hoch gewertet, die jungen Menschen denken jedoch nicht, dass eine harmonische Ehe und Familie realistisch zu verwirklichen ist.

 

 

3.3            Die selbstzerstörerischen Tendenzen der heutigen Jugend

 

Kinder und Jugendliche sind die hauptsächlichen Opfer des Familienzerfalls. Die Resultate sozialwissenschaftlicher Forschung sind eindeutig:

 

Kindern geht es in alleinerziehenden, zerbrochenen Familien weniger gut. Diese Tatsache kann durch Statistiken untermauert werden. In den Bereichen von Schule und Ausbildung, wirtschaftlichliche Stabilität, psychische Verfassung oder auch physische Gesundheit, können bei Kindern «intakter» Familien viel bessere Zustände festgestellt werden.

 

Die Familie hat die Funktion, die Ernährung, Erziehung, das Wachstum usw. in einer harmonischen Weise zu gewährleisten. Fehlt die beschützende Umgebung der Familie, werden die Kinder der harten Willkür Aussenstehender überlassen. Die mangelnde menschliche Wärme sowie die oft harten Begegnungen mit der «Aussenwelt» schaffen oft eine grenzenlose Unsicherheit bei jüngeren Kindern, die sich später in einem verstärkten Misstrauen gegenüber Mitmenschen ausdrückt. Auch können Verbitterung und Groll bei Jugendlichen auf solche Mängel in ihrem Familienhintergrund zurückgeführt werden.

 

Fehlt elterliche Liebe im Kindesalter so wird bei Kindern ein kaum wiedergutzumachender Schaden angerichtet. Kinder suchen dann nach Liebe oder Ersatz dafür in allen möglichen Bereichen:

n  Tendenz zu verfrühter sexueller Aktivität bei Teenagern.

n  Erhöhter Hang zu Alkohol und Drogenmissbrauch bei Jugendlichen.

n  Verstärkter Hang zur Selbstbestätigung und Dominanz. Dies äussert sich in einer         vermehrten Agressivität. Gewalt und Kriminalität können daraus resultieren.

n  Übersteigertes Verlangen nach materiellen Dingen, materiellem Wohlstand etc.

 

Kinder, die das Auseinanderbrechen ihrer Familie miterleben, durchgehen eine traumatisierende Situation,welche einschneidende Folgen für sie hat:

1.  Scheidung ist der Hauptgrund für Kindheitsdepressionen.

2.  75% aller jugendlichen Patienten in Drogenzentren stammen aus zerbrochenen Familien.

3.  Alle 78 Sekunden versucht ein Kind einen Selbstmord, alle 90 Minuten ist ein Versuch erfolgreich.

4.  63% von jugendlichen Selbstmördern sind Kinder aus zerbrochenen, monoparentalen Familien.

5.  70% aller ungewollten Schwangerschaften sind bei Jugendlichen aus alleinerziehenden Familien.

6.  75% aller Jugendlichen in Besserungsanstalten stammen aus zerbrochenen Familien.

 

Selbstmord ist die dritthäufigste Todesursache unter Jugendlichen

 

Die Bedrohungen für Gesundheit und Wohlergehen der heutigen Jugend sind nicht primär in Krankheit oder schlechten wirtschaftlichen Verhältnissen anzusiedeln. Das Problem ist nicht, wie in der Vergangenheit, Kinderkrankheiten oder ungesundes Leben in Elendsvierteln. Der allerwichtigste Grund für des Leiden unserer Jugend heute ist tiefstes, selbstzerstörerisches Verhalten. Die Wurzel für dieses Verhalten liegt in der eskalierenden Situation der Familien, der Familien- und Gesellschaftskrise die heute die Jugend besonders hart trifft.

 

3.4            Kindesmissbrauch

 

Die Opfer der heutigen Krise in Ehe und Familie sind wie schon erwähnt, Kinder, Jugendlichen, kurz die Generationen die nachfolgen. Leider gibt es noch eine sehr direkte Form, wie die Kinder mit der erkrankten Situation unserer Familien konfrontiert werden : Dies ist die harte Realität des Kindesmissbrauchs. Durch die rapide Entwicklung der monoparentalen Familien findet man oft das Phänomen, dass in Familien nach der Scheidung, der/die Alleinerziehende wieder eine partnerschaftliche Beziehungen eingeht. Oft ist dieser «Aussenstehende» die Person, die sich an einer/m heranwachsenden Jugendlichen sexuell vergeht.

 

Nachgewiesenermassen werden die häufigsten Gewaltverbrechen und sexueller Missbrauch an Kindern von den Lebensgefährten geschiedener Mütter, oder auch von Stiefvätern begangen.

 

 

3.5            Zerfallende Familien – Ein Ausgangspunkt für zunehmende Kriminalität und Verbrechen

 

Um eine dezente Zivilisation zu erhalten, muss die Gesellschaft dafür besorgt sein, dass Kinder so erzogen werden, dass sie verantwortliche Erwachsene werden, befähigt mit der Qualität ihren Lebenszweck in einer konstruktiven und sich selbst treu bleibenden Weise zu verwirklichen, ohne damit andere in ihren Rechten zu behindern und zu beschneiden. In der Familie, aufgrund der erzieherischen Funktion und Rolle der Eltern, kann dieses Ziel, am ehesten erreicht werden. Wird jedoch das soziale Gewebe unserer Gesellschaft immer mehr durch das Phänomen der zerfallenden Familien durchlöchert, das heisst, wird die Rolle und Funktion von Eltern in Bezug auf eine gute Kindeserziehung und – Betreuung, weniger und weniger gewährleistet, so schaffen wir damit die Vorraussetzungen für eine verminderte Qualität der Erziehung der Jugend, die in Bezug auf Ethik, Moral und Wertverständnis zunehmends sich selbst überlassen ist. Damit verbunden ist dann eine starke Verrohung der gesellschaftlichen Sitten der Jugend zu beobachten. Auch ist zu sagen, dass die Jugend von allen Seiten unter viele zerstörerische Einflüsse gerät, weil der schützende Einfluss der Familie stark abgeschwächt wurde.

 

Mit anderen Worten ist die Rolle der Eltern als erzieherische Instanz der jungen Generation, ausgerichtet auf eine umfassendere, gesellschaftliche Ethik und Moral, absolut unersetzlich. Da in der heutigen westlichen Welt die Rolle der Eltern als Vorbilder für Kinder untergraben wird, die Familie als «Brutstätte» einer neuen Generation, weiter zerfällt, gelangt die vernachlässigte junge Generation mehr und mehr in den Einfluss von kurzsichtigen, illegalen Lebensweisen und Praktiken und öffnet somit Tür und Tor für Kriminalität und Dekadenz in unserer Gesellschaft.

 

 


 

 

Teil 2

 

Die soziale Bedeutung der Familie

 

 

4.       Die Bedeutung der Familie als «menschliches Ökosystem»

 

Wir haben nicht bemerkt, wie wichtig Familien sind. Für Sozialwissenschafter sind Familien psychologische wie auch sozio-ökonomische Grund-Einheiten, die unsere Gesellschaft aufbauen. Sie sind die fundamentalen «Zellen» und die Grundgrössen jeglicher Gesellschaft. Jedes Individuum stammt aus einer Familie und verbringt auch die Mehrzeit seines Lebens in einem Familienganzen. Wir werden in eine Familie geboren, und unser menschlicher Entwicklungsweg von der Kindheit über die Jugendjahre bis zum Erwachsensein verbringen wir als Teil einer Familie. Wenn wir als junge Erwachsene aus unserer gewohnten Familienumgebung in die weitere Gesellschaft hinaustreten, so lösen wir uns nur sehr kurzfristig aus dieser Familienbindung heraus um wenig später eine neue Familienbindung mit einem Partner in der Ehe einzugehen und selbst Mitbegründer eines neuen Familienganzen zu werden. Die Familie als Gemeinschaft von Individuuen schliesst auch die unmittelbare physische Umgebung mit ein. Die Arten der Beziehungen von Individuuen untereinander sind ganz unterschiedlich, wie auch ihre Funktionen und Rollen. Die ganze Vielfalt zwischenmenschlicher Beziehungsen sowie auch der Beziehungen zur unmittelbaren Umgebung (Besitztümer, Eigentum)wird in dieser Mikroform der menschlichen Gesellschaft erlebt. Werden Probleme zwischen Individuuen sichtbar, so wird die Fähigkeit notwendig, diese Probleme anzugehen und Lösungen auszuarbeiten. Das Ausmass der Bewältigungsfähigkeit der Beziehungsprobleme mit anderen bestimmt die Lebensqualität von Individuuen in der Familie, Familien in der Gesellschaft sowie Gesellschaften im «Global Village».

 

Die Familie ist demzufolge ein «training-ground» für unsere Beziehungsfähigkeit, mit anderen.

 

4.1            Verschiedene Familienstrukturen im Wandel der Zeit

 

Im Zuge einer sich wandelnden menschlichen Gesellschaft, sei es durch wirtschaftliche, soziale, politische, technologische oder ökologische Veränderungen, werden ganz unterschiedliche Formen von menschlichen Familien oder Lebensgemeinschaften sichtbar. Dass man da leicht dazu neigt alle Formen einschliessen zu wollen und «die Familie» in einem alles umfassenden Begriff definieren zu wollen, erscheint verständlich.

 

.Wenn man als Grunddefinition diejenige des «United Nations Committee on Civil and Political Rights» nimmt, nämlich Familie als «Gruppe von Erwachsenen, die sich mit der Betreuung und der Erziehung von Kindern beschäftigt», so wird sofort klar, dass es bessere, d.h. adäquatere Formen, und weniger gute Formen gibt.

 

Das «adäquater» wäre zu verstehen im Bezug auf die resultierende Qualität der Umsorgung und Erziehung von Kindern. Hier gibt es sicherlich Unterschiede, bessere sowie weniger gute Formen. Es ist auch so leicht verständlich, dass in einer «traditionellen Familie» wo sich leibliche Eltern um die Umsorgung sowie auch die Erziehung «ihrer» Kinder kümmern, natürlicherweise bessere Resultate zu erwarten sind. In diesem wäre deshalb besonders wichtig, dass unsere staatliche Gemeinschaft die Entwicklung von «idealeren» Formen von Familien propagiert und fördert, und das Entstehen «weniger idealer» Formen nicht zu fördern oder gar zu hemmen versucht. Wenn die Stärke einer Gesellschaft oder Nation in der Stärke der Familien zu messen wäre, so müsste ein politisches, soziales wie auch wirtschaftliches Umfeld geschaffen werden, das das Entstehen solcher «besserer» Formen von Familien gewährleisten würde.

 

Wenn man Familie hört, ist man geneigt, Familie mit Haushalt gleichzusetzen. Dem ist jedoch in der heutigen Zeit nicht mehr so, weil es durch die zentralen sozialen, politischen und wirtschaftlichen Umwälzungen, die die letzten zwei Jahrhunderte mit sich gebracht haben, wesentliche Veränderungen in der Familienstruktur gegeben hat. Durch Industrialisierung sowie Urbanisierung wurden mehr und mehr die in der Feudalzeit üblichen Sippen- Familien oder Grossfamilien in verschiedene Formen von Kleinfamilien aufgesplittert.

Heute muss man also unter Haushalt und Familien unterscheiden. Unter Haushalt-gemeinschaft versteht man die Gemeinschaft von Menschen, die «unter einem Dach leben». Die Familie hingegen ist in der heutigen Zeit nicht mehr nur auf eine «Gemeinschaft unter dem selben Dach» beschränkt, sondern deren Mitglieder können sich durchaus an verschiedenen geographischen Orten befinden und trotzdem «eine Familie» sein. (Z.B. Jugendliche, die ihr Elternhaus verlassen gehören immer noch zur «Familie». Der in den letzten Jahren so häufig gewordene Familienzerfall, und dessen Resultat der «monoparentalen Familien», hat diese Tendenz in einem vermehrten Mass noch unterstützt, sodass wir heute eine sehr komplexe Familiensituation haben, wo Familienmitglieder in verschiedenen Haushalten leben und auch verschiedene Familien im gleichen Haushalt vertreten sind).

 

Die entscheidenden Kriterien für Familienzugehörigkeit im Vergleich mit anderen sozialen Gruppierungen sind vor allem emotionale, soziokulturelle und gesetzliche Bindungen, aber auch (und besonders wichtig) die tieferen herzensmässigen wie auch geistigen Bindungen zwischen den Individuen.

·        Bindungen als Ehepartner.

·        Eltern – Kind- Bindungen

·        Geschwisterliche Bindungen

·        Blutsverwandtschaft.

 

Wenn wir von Familien sprechen, so setzen wir doch in einer Gruppe von Individuen mindestens eine oder in der Regel mehrere solcher Bindungen und Beziehungen voraus. Diese Beziehungen sind oft sowohl sozial als auch biologisch-genetisch zugleich. Im Falle von Pflege- oder Stiefeltern, sind auch ohne direkte biologisch- genetische Beziehungen, auch familienbedingte Rollen und Funktionen vorhanden, nämlich in der Erziehung und Umsorgung von Kindern, die mit der Rolle von biologischen Eltern durchaus gleichgesetzt werden kann.

(Adoption von Kindern!).

 

 

4.1.1               Die Kernfamilie (Kleinfamilie)

 

Sogenannte «Kernfamilien» können in zwei Gruppen eingeteilt werden:

·        Die Biologische Kernfamilie

·        Die soziale Kernfamilie

 

Unter der biologischen Kernfamilie versteht man die biologische Grundzelle unserer Gesellschaft , nämlich eine Gemeinschaft eines Kindes, welches von seiner leiblichen Mutter geboren wurde, mit seinen leibliche Eltern, Vater und Mutter.

 

Die soziale Kernfamilie ist die Gemeinschaft zweier Erwachsener, Ehepartner, die ohne Kinder, ihr Leben zusammenlegen und als Lebensgefährten teilen.

 

In der westlichen Zivilisation tendieren wir zu diesen biologischen Zweigenerationen-Kernfamilien, wo Eltern und im Wachstum begriffene, abhängige Kinder, in einem gemeinsamen Haushalt zusammenleben. Wenn die volljährigen Kinder dann ihr «Nest» oder Heim verlassen, so wird das «verlassene Nest» trotzdem noch als soziale Kernfamilie, betrachtet. Statistiken belegen, dass diese Formen von Kleinfamilien vor allem in den Ländern und Regionen entstehen, wo die Lebenserwartung hoch ist. Auch sind diese Formen für urbane Gebiete und Gesellschaften eher angepasst, weil in diesen Gebieten grössere Flexibilität sowie auch ein Zusammenleben auf kleinerer Wohnfläche erforderliche Vorraussetzungen sind. Während in dicht besiedelten Gebieten (Ballungszentren, Grossstädte) solche Kern- oder Kleinfamilien grössere Vorteile haben, so sind sie doch zugleich aufgrund ihrer kleinen Mitgliederzahl, sehr sensibel und verletzlich gegenüber inneren und äusseren Einflüssen.

 

Durch den heutigen, dramatischen Familienzerfall kommen noch zwei weitere Formen von Kernfamilien auf, nämlich die «Reorganisierte Familie» sowie die «Alleinerziehenden- Familie». Obwohl diese beiden Formen in der Häufgikeit unerhört zugelegt haben, sind dies doch Formen, die im Bezug auf eine Betreuung und Erziehung von Kindern, klar wenig ideale Voraussetzungen besitzen. Der frühe Tod eines Elternteils kann zu einer solchen Aufspaltung der Kernfamilie führen, wie auch eine bewusste Trennung der Eltern und Ehepartner durch eine Scheidung. Die «reorganisierte Familie» ist eine Kern-Familie wo alleinstehende Elternteile mit Kindern sich wieder aufgrund einer neuen Lebenspartnerschaft zu einer Familie zusammenschliessen. In diesem Falle gibt es nicht nur eine neue «Eltern – Kind-Beziehung» wie «Stiefvater oder Stiefmutter»- Kind-Beziehung, sondern auch eine «Halbbruder- Halbsschwester- Beziehung». (Sogar auch Stief-Grosseltern- Stiefgrosskinder). Jede dieser «Reorganisationen» einer Familie, (manchmal sind es mehrere!) bringen eine grosse Komplexität der familiären Beziehungen mit sich. Wenn man sich vorstellt, dass ein menschliches Leben durch seine Erfahrungen im Bereich der nächsten Angehörigen ganz empfindlich geprägt wird, so wird verständlich, weshalb man in der Tat von «empfehlenswerteren» wie auch «weniger empfehlenswerten» Formen von Familien sprechen muss. Wenig ideale Voraussetzungen für eine gute Betreuung und Erziehung von Kindern besitzt auch die «Alleinerziehenden-Familie» die mehrheitlich auf der Kombination einer alleinstehenden Mutter mit Kindern beruht. Ob durch Scheidung oder Tod eines Ehegatten, diese Situation herbeigeführt wurde sei dahingestellt, wichtig ist jedoch die Tatsache, dass der soziale, wirtschaftliche und auch emotionale Druck auf dieser Art der Kleinfamilie sehr gross ist. Damit kann eine solche Form wenig «Nestwärme und Familienrückhalt» für heranwachsende Kinder vermitteln.

 

 

4.1.2               Die Erweiterte Familie (Grossfamilie)

 

Spricht man von der «erweiterten Familie» meint man eigentlich die Grossfamilie, in der mindestens zwei «Kernfamilien» zu einer Familie zusammenschmelzen. Meistens sind es mindestens drei Generationen, die eine Familieneinheit bilden. Die erweiterte Familie muss nicht sehr gross sein, z.B. Grosseltern, Eltern, Kinder. Eine solche Mehr-Generationen-Familie ist besonders in Kulturbereichen anzutreffen, wo grosser Respekt und Achtung gegenüber alten Menschen gepflegt wird. Diese durch kulturelle und ethische Zusammenhänge bedingte soziale Struktur, ist oft in den ländlichen, ruralen Gebieten gang und gebe.

 

Auch sind solche Familien noch stark in den Ländern der dritten Welt vertreten, wo nicht nur kulturelle sondern auch wirtschaftliche Verhältnisse diese Familienstruktur begründen. In Umständen, wo eine Aufteilung von Land und Eigentum die wirtschaftlichen Möglichkeiten der Familienmitglieder stark beschneiden würde, ist die erweiterte Familie oder die Grossfamilie, die Alternative zur Sicherung Existenz. Auch bleibt in diesen Gebieten durch die zunehmende Urbanisierung sowie die damit verbundene Verknappung der Behausungsmöglichkeiten, für junge Paare nur die Möglichkeit, in der Behausung der Eltern zusammen mit ihren Eltern zusammenzuleben.

 

Grossfamilien in dieser Art, haben oft den Vorteil, von Familienzerfall weniger stark betroffen zu sein. Durch die gegebene grössere soziale Struktur, sowie die unterstützende Wirkung von anderen Familienmitgliedern sind auch bei Beziehungskrisen bei gewissen Zweigen der Grossfamilie immer noch stabile Verhältnisse vorhanden, die ein Auseinanderfallen von Kernfamilien verhindern können. Die Grossfamilie hat deshalb für die Betreuung sowie das Aufziehen von Kindern grosse Vorteile und ist gegenüber äusseren störenden Einwirkungen viel resistenter.

 

Diese Tatsache kann als Grund gesehen werden, weshalb die Gebiete wo Grossfamilien weitverbreitet sind viel weniger an Familienzerfall sowie gesellschaftlichen Zerfallserscheinungen leiden. In den Gebieten mit vielen Mehr-Generationen-Familien, ist auch die stärkende Wirkung von älteren Menschen, der Grosseltern, auf die jungen Familien deutlich spürbar.

 

Die Lebenserfahrung und Weisheit älterer Menschen ist ein Stabilisator in einer Gesellschaft in welcher die falsche übermässige Hektik des alltäglichen Berufslebens den jungen Familien enorm stark zusetzt und sie verunsichert. Diese Lebenserfahrung wird in unserer Industriegesellschaft oft geringgeschätzt, weshalb diese Bevölkerungsgruppe ein vom normalen Alltag isoliertes Dasein fristet und sich nutzlos fühlt

 

4.1.3               Übersicht: Familienformen*

 

Kernfamilie

Erweiterte Familie

Reorganisierte Familie


Biologische Familie

 

 

Soziale Familie

 

 

Alleinerziehende Familie

(Monoparental)

 

 

Adoptiv-Familie

 


Drei- Generationen- Familie

 

 

 

Vier- oder Mehrgenerationen- Familie

 

 

 

Sippen–Familie

 


Wiederverheiratet

(Patchwork Familie)

 

 

Im Konkubinat lebend

 

 

 

**Freie soziale

   Gemeinschaft

 

* Gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften werden vom Verfasser nicht als Familien eingestuft, da auch in vielen Ländern der gesetzliche Rahmen dazu fehlt.

 

** Männer und Frauen, die mit Kindern in einem Haushalt zusammenleben, wie z.B. gewisse Kinderbetreuungsinstitutionen können auch als erweiterte oder reorganisierte Familie gesehen werden.

 

5.      Grundsätzliche Funktionen der Familie

 

Je nach dem wie man die Familie betrachtet, können ihr sehr viele verschiedene Funktionen zugeschrieben werden. Es ist die Ansicht des Verfassers, dass die Haupt-Funktionen der Familie in den Beziehungen zwischen den Familienmitgliedern liegen oder davon hergeleitet werden können.

 

l      «Die Familie ist die wichtigste Schule für unser Leben.» (J. Piaget)

l      Dr.Martin Luther King Jr. bezeichnete die Familie als die «Schule der Liebe»

l      Papst Johannes Paul II nannte die Familie die «Schule des Friedens»

l      Bill Clinton sagte 1996 in seiner Unionsrede: «Unsere erste Herausforderung ist, unsere Kinder zu lieben und die Familie zu stärken. Familien sind das Fundament des Lebens. Wenn wir stärkere Familien haben, werden wir eine stärkere Nation haben.»

 

 

Grob gesehen kann man die wichtigsten Funktionen wie folgt sehen:

 

l      Schaffen von herzensmässigen, sozialen, und wirtschaftlichen Beziehungen zu einem Ehepartner

l      Liebes- und Sexualleben zwischen Ehepartnern sowie Prokreation durch Kinder.

l      Leben, Liebe, Tradition, Name, und sozialer Status werden an die nächste Generation weitergegeben.

l      «Nest» für heranwachsende Kinder. Betreuung von Kindern, aber auch je nach Kultur und Tradition von Grosseltern, betagten oder auch behinderten Familienmitgliedern.

l      Erziehung wie auch Sozialisierung (Beziehungsschulung) von Kindern und auch Erwachsenen.

l      Schutz der Familienmitglieder, vor allem des schwächeren Teils (Frauen, Kinder, Behinderte, Betagte)

l      Herzensmässige- , psychische -, wie auch physische Betreuung von Mitgliedern der Familie.

l       Austausch von Waren, Dingen, aber auch Dienstleistungen.

 

 

5.1            Die Familie – Schule des Herzens und der Fähigkeit zu lieben

 

l      Die Erfahrungen, die unseren Charakter in fundamentaler Weise formen, machen wir in der Familie vom ersten Moment unseres Lebens an. Kinder erlernen früh ein kindliches Vertrauen in- und eine kindliche Verehrung für ihre Eltern, gefördert durch die aufrichtige Sorge ihrer Eltern um sie.

l      Kinder lernen harmonische Herzens-Beziehungen zwischen Brüdern und Schwestern durch das Beispiel der harmonischen Liebe zwischen den Eltern.

l      Kinder erlernen ein elterliches Herz, indem sie sich um ihre jüngeren Geschwister kümmern.

l      Kinder lernen ihren eigenen Wert kennen durch die Liebe, die sie von Eltern und Geschwistern erhalten.

l      Kinder lernen den Wert anderer Menschen kennen durch die Beziehungen, die sie im Kreise der Familie mit andern aufbauen können.

l      Kinder lernen Respekt für die Dinge und deren Wert kennen, indem sie lernen, wie man sich um die Dinge im Haushalt zu kümmern hat.

 

 

5.2            Die vier Bereiche des Herzens und der Liebe in der Familie

 

5.2.1               Das fundamentale Prinzip des «Gebens und Nehmens»

 

Alles Leben beruht auf Austausch, ein dynamisches Wechselverhältnis zwischen Einzelwesen, die durch diese Beziehung mit andern Einzelwesen sowie auch mit dem Ganzen verbunden sind. Durch Miriaden von Wechselbeziehungen ist alles in diesem Universum untereinander verbunden. Aufgrund dieses fundamentalen Prinzips ist alles füreinander da, nichts kann für sich allein existieren. In allgemeiner Form könnte man dies so ausdrücken:

 

Es gibt immer ein Subjekt, das ein Objekt zum Zwecke des Austausches sucht. Treffen Subjekt und Objekt zusammen, ausgerichtet auf den gemeinsamen Zweck, so werden sie zu einer Einheit durch die wechselseitige Beziehunge des «Gebens und Nehmens.» Das Resultat dieses Gebens und Nehmens ist im Falle zweier Menschen Freude, generell jedoch beiderseitiger Gewinn.

 

Das «Geben und Nehmen» in der Familie beruht auf einem Austausch von Liebe und resultiert in einem gemeinsamen Gewinn aller, nämlich, Harmonie und Glück und Freude in der Familie für alle.

 

Diagramm: «Geben und Nehmen» in der Familie

Subjekt und Objekt sind nicht wertend zu verstehen sondern bezeichnen lediglich die Rolle, die der betreffende Teil in der Beziehung spielt. Z.B. Ein Gespräch: Subjekt spricht; Objekt hört zu. In einem Gespräch (d.h. Einheit) sind die Positionen oder Rollen nicht starr sondern wechseln dauernd. Mit andern Worten, aufgrund der Interaktion wechseln die Rollen von «Subjekt» und «Objekt» ständig.

 

5.2.2               Die vier Herzensbeziehungen in der Familie

 

Diagramm :Vier Positionen und vier Arten der Liebe in der Familie

 

Entsprechend der Aussage von Dr. Martin Luther King Junior ist die «Familie die Schule der Liebe». Diese Aussage kann anhand des obigen Diagramms besonders gut verstanden werden. Betrachten wir den Lebensweg des Menschen, so wird ersichtlich, dass der Mensch von Geburt auf, als Kind in der elterlichen Liebe eingebettet aufwächst, durch das Kindesalter über die Jugendjahre, schliesslich in den Bereich des Erwachsenseins eintritt. Während dieser Wachstumsperiode erfährt der Mensch elterliche Liebe (blau), sowie auch geschwisterliche Liebe (grün). Nach dem Erreichen der Erwachsenenreife erfährt der Mensch die eheliche Liebe mit einem Ehepartner zusammen (rot), sowie nach der Geburt von Kindern die kindliche Verehrung (pink) die eine Erwiderung der elterlichen Liebe ist, mit der das Kind auf unterschiedlichen Stufen in einer unterschiedlichen Weise seine Eltern liebt.

 

 

5.2.3                Die Eltern – Kind Beziehung, und die Kind – Eltern Beziehung

 

Die Eltern – Kind Beziehung ist die fundamentalste menschliche Beziehung, sowohl von der Substanz der Selbstlosigkeit, als auch von der Kraft der Beziehung her. Diese Beziehung ist vertikal, das heisst, sie verbindet verschiedene Generationen. Auch ist der subjektive, gebende Pol klar auf einer Seite (Eltern), während der empfangende, objektive und erwidernde Pol auf der andern Seite (Kind) anzusiedeln ist. Mit fortschreitendem Wachstum des Kindes verliert die Beziehung mehr und mehr an Vertikalität. Der Elternteil setzt eine Erwartung in die Nachkommenschaft, die je nach Situation dieser Erwartung nachkommt. Eine Eltern-Kind-Beziehung ist jedoch derart gelagert, dass die elterliche Seite nie aufhören kann, sich um das Kind zu sorgen. Eltern werden sich immer um ihre Kinder sorgen, auch wenn diese längst schon ihre Selbständigkeit haben. Es liegt in der elterlichen Natur den Kindern alles geben zu wollen. Eine Eltern-Kind Beziehung ist bedingungslos, vergisst sich selbst und sucht ehrlich den Vorteil des Anderen (Kindes). Es gibt auch nichts, was Eltern ihren Kindern nicht verzeihen können. Aufgrund der Liebe zu ihren Kindern sind Eltern bereit sogar ihr Leben für das Wohl ihrer Kinder zu geben.

 

Die Hauptaufgabe der Eltern, nebst dem Schutz und der guten Betreuung der Kinder, gilt der Vermittlung von lebenswichtigen Inhalten, sodass das Kind im späteren Zeitpunkt sein eigenes Leben wirklich vollends meistern kann. In diesem Bereich ist der «Input» von beiden Elternteilen wichtig, da beide Aspekte (die männlichen wie auch die weiblichen), die gleichbedeutend in ihrer Wichtigkeit sind, im späteren Leben erfahren werden. Dabei sind sicherlich gewisse gesellschaftlich Konventionen, über die Rollen von Mann und Frau, in Frage zu stellen. Es ist jedoch nicht von der Hand zu weisen, dass es die Einwirkung von Vater und Mutter zusammen braucht, um dem Kind ein möglichst optimales Wachstum zu garantieren. Besonders im inneren, dem geistigen Bereich, sind diese beiden Komponenten äusserst wichtig.

 

Eine Vermittlung von gutem Sozialverhalten in der Gesellschaft, Ehrlichkeit, Moralität, Ethik, Umgänglichkeit mit andern Menschen, Generosität, usw. sind wichtig Verhaltenswerte, die Eltern an Kinder weitergeben sollten, als ihr Beitrag zum grösseren gesellschaftlichen Ganzen.

 

Die Familie hat demzufolge als solches einen Beitrag an die Gesellschaft zu leisten, nämlich Kinder zu verantwortlichen Bürgerinnen und Bürgern heranzubilden. Der «Training-Ground» für die Erreichung dieses Ziels ist die Familie und nicht die Schule. Viele Eltern schieben aufgrund ihrer eigenen Unfähigkeit sich um ihre Kinder richtig zu kümmern, diese Funktion auf die öffentlichen Institutionen ab. Es ist aber eindeutig die Aufgabe der Familie, Kinder ethisch und moralisch auf ein Leben in der weiteren Gesellschaft vorzubereiten. Die Vermittlung dieser Werte kann jedoch nur dann stattfinden, wenn die Eltern selbst diese Werte verkörpern und mit dem guten Beispiel vorangehen.

 

 

Die Kind – Eltern Beziehung: Von der Sicht des Kindes, ist die elterliche Liebe das absolut wichtigste Element in seinem jungen Leben. Niemand scheint stärker und wissender zu sein als Vater und niemand wärmer und liebevoller als die Mutter. Das Kind empfängt tagtäglich so viel von seinen Eltern, es ist buchstäblich in elterliche Liebe eingebettet, und bekommt so die nötigen Elemente um sein Wachstum zu durchlaufen. Die zwar unbeholfene Erwiderung des Kindes auf elterliche Liebe ist das kostbarste Erlebnis für Eltern, die dabei nicht nachzählen, wie viel sie für ihr Kind gegeben haben.

 

Aus der Beziehung zu seinen Eltern sollte das Kind viele lebenswichtige Dinge lernen, um im gegebenen Zeitpunkt sein eigenes Leben meistern zu können. Das gilt sowohl im Bereich der rein äusserlichen Dinge, wie auch im inneren, geistig ethischen Bereich.

 

Eltern sollten auch fähig sein, ein Wertverständnis ihren Kindern weiter zu geben. Ethik und innere Werte sind die «Traditionen», die eine «gute» Familie über Generationen hinweg weitergeben und pflegen sollte. Zu diesen Traditionen gehören auch ein ethisches und moralisches Verhalten in der Gesellschaft, Verantwortlichkeit und Pflichtbewusstsein, Ehrlichkeit und Redlichkeit, Respekt im Umgang mit anderen Menschen usw.

 

Diese Komponente der gesellschaftlichen Ethik und Verantwortung ist heutzutage in den Familien der westlichen Welt weitgehend fehlend, während sie in den höher entwickelten «Familienkulturen» des Ostens (Korea, Japan, China) ein wesentlicher Bestandteil der Kindererziehung in den Familien bildet.

 

 

5.2.4               Die geschwisterliche Beziehung

 

Die geschwisterliche Beziehung ist nebst der Beziehung zu den Eltern, eine Beziehung, die der Mensch von ganz klein auf erfährt, durch die Geschwister, die in der eigenen Familie vorhanden sind. Im Vergleich zur Eltern-Kind Beziehung ist die geschwisterliche Beziehung eher «horizontal» d.h. nicht Generationen verbindend, sondern bewegt sich auf der gleichen Ebene, in der gleichen Generation. Die vertikale Liebe der Eltern, teilt sich auf einer horizontalen Ebene unter Geschwistern. Die Position der Eltern ist für das Kind nur sehr schwierig verständlich, da es grosse Unterschiede in Lebenserfahrung, Alter usw. gibt. Aus diesem Grunde ist es sehr kostbar, wenn Kinder Geschwister haben, die ihnen altersmässig nahe sind, und die sie verstehen können. Durch die horizontale Beziehung mit Geschwistern ist es leichter möglich ähnliche Erfahrungen auszutauschen und voneinander zu lernen. Im Wechselspiel von «vertikaler» elterlicher Liebe und «horizontaler» geschwisterlicher Liebe ist es mögliche, dass Kinder zu «abgerundeten» Persönlichkeiten heranwachsen, die sich in einem gesellschaftlichen Ganzen gut einfügen können.

 

Die geschwisterliche Beziehung lehrt dem Individuum, die Fähigkeit mit andern zu teilen, zusammenzuarbeiten, auf andere in einer ähnlichen Situation einzugehen und sich in das Sozialleben mit andern Menschen, an der Arbeit, in der Gesellschaft usw. einfügen zu können.

 

Bei Familien mit Einzelkindern ist es oft festzustellen, dass aufgrund fehlender geschwisterlicher Beziehungen, das Kind dauernd die elterliche Liebe und Zuneigung monopolisieren kann, und deshalb in einem späteren Erwachsensein, dieses gleiche Monopol in Bezug auf Aufmerksamkeit und Zuneigung zu suchen trachtet. Die geschwisterliche Herzensbeziehung und Liebe ist somit eine absolut notwendige Grunderfahrung, die jeder einzelne in seinem Leben machen sollte.

 

Bruder – Schwester Beziehung: Eine wichtige Form der geschwisterlichen Herzensbeziehungen ist die Bruder – Schwester Beziehung. Im über Jahrtausende währenden Kampf der Geschlechter (vor allem in der Beziehung zwischen Mann und Frau als Ehe- oder Sexualpartner) wird deutlich, dass eine wesentliche Voraussetzung für eine gute Beziehung zwischen Ehepartnern oder den Geschlechtern untereinander allgemein, die harmonische Bruder – Schwester Beziehung in der Familie ist. In der echt «partnerschaftlichen Familie» können Eltern die je nach gesellschaftlichen Konventionen herrschenden Wertunterschiede zwischen den Geschlechtern harmonisierend ausgleichen. Dies würde mit sich bringen, dass schon auf der Stufe der Bruder-Schwester Beziehungen, diese bislang herrschenden Wertvorurteile aufgehoben werden könnten. Gleichzeitig können auch im Kreise der Familie die heranwachsenden Kinder in einer natürlichen Weise Respekt und Achtung gegenüber dem anderen Geschlecht erlernen. Dies ist eine wichtige Voraussetzung für eine harmonische Partnerschaft und Ehe. Die Bruder Schwester – Beziehung ist demzufolge eine direkte Vorbereitung für eine spätere eheliche Partnerschaft.

 

 

5.2.5               Herzensbeziehung in Partnerschaft und Ehe

 

Die partnerschaftliche Beziehung in der Ehe zwischen Mann und Frau ist der Grundstein unserer Gesellschaft und Zivilisation. Die im ersten Teil erwähnte Krise der Familie in der heutigen Gesellschaft und Welt, ist natürlich auf eine Krise in dieser fundamentalen «Sozialen Familie» oder der Ehe zurückzuführen. Die eheliche Beziehung zwischen Mann und Frau ist erstens ein gegenseitiges Engagement, welches zwei individuelle Menschenleben (mit allem was anhängt) mit einander verknüpft. «Aus zwei Lebenswegen werden einer, aus zwei Herzen wird eines, aus zwei Schicksalen werden ein gemeinsames Schicksal.»

 

In einem tieferen Verständnis der Partnerschaft in der Ehe, wird auch ersichtlich, dass diese Verknüpfung zweier Menschenleben sich nicht nur auf die Gegenwart beschränkt, sondern ein Zusammentreffen von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft beinhaltet.

 

Dies bedeutet, dass wir als von unseren Vorfahren geprägte Individuuen, unsere Koffer (im geistigen Sinne) voller Präkonditionen mit uns tragen, was unsere Vergangenheit betrifft. (Z.B. Eine Heirat zwischen Vertretern zweier früher verfeindeter Rassen, Völker oder religiösen Gruppierungen).

 

Zum andern wird eine eheliche Partnerschaft das Leben der Partner wesentlich dahin verändern, als sie sich durch ihre Nachkommen in eine völlig unbekannte Zukunft bewegen, wo ungeahnte neue Faktoren auf sie zu kommen. Diese Faktoren werden ihr gemeinsames Leben bestimmen. Das einzelne Individuum kann sich nur mehr schwer von dieser Realität loslösen.

 

Die eheliche Herzensbeziehung beinhaltet eine «exklusive» Liebesbeziehung zwischen zwei Ehepartnern, Mann und Frau. Liebe ist eine Kraft zur Vereinigung. Vereinigung zwischen zwei Ehepartnern bedeutet wie erwähnt nicht nur das Zusammenkommen zweier Körper. Eine weitere Dimension ist das Einswerden zweier menschlichen Herzen oder Gemüter. Noch weiter bedeutet es das Zusammenkommen zweier Blutslinien, zweier Familientraditionen, vielleicht zweier Rassen, Kulturen, usw. Durch Nachkommen nimmt diese Vereinigung substantielle Gestalt an. Die Liebe zwischen Ehepartnern ist zugleich Spender neuen Lebens. Kinder bringen die gegenwartsbezogene Liebe der Ehepartner für einander, auf die Ebene der zukunftsorientierten elterlichen Liebe für Nachkommen.

 

Die eheliche Beziehung ist eine sehr komplexe Herzensbeziehung, die den Menschen in seinem Leben unvergleichlich stark beinflusst. Das leichtfertig eingegangene Eheversprechen kann sich zu einer schlimmen Überraschung wenden, wenn der einzelne die auf ihn hereinstürzende Verantwortung nicht zu tragen fähig ist. Deshalb sollten eheliche Beziehungen nicht leichtfertig eingegangen werden. Es ist in unserer heutigen westlichen Gesellschaft durchaus akzeptabel Sex mit dem andern Geschlecht zu haben ohne eine eheliche Bindung einzugehen.

 

Dies ist eine Reduktion der überaus reichen Beziehung zwischen Mann und Frau auf eine blosse Befriedigung individueller, physischer Bedürfnisse. Menschen die eine solche Lebensweise praktizieren finden kurzzeitliche Befriedigung darin, gehen aber an den wirklich kostbaren Inhalten des Lebens vorbei. Als Beispiel mag die historische Figur des «Casanovas» gelten, der unermüdliche Verführer schöner Frauen, der im Alter jämmerlich vereinsamt, und verlassen stirbt!

 

 

5.2.6               Jugend, Sex und Ehe

 

In unserer westlichen Kultur und Welt erwartet (siehe Seite 15) unsere Jugend zwar noch viel von der Institution der Ehe. Diese Erwartung sinkt jedoch mit zunehmendem Alter sehr schnell ab. Die Ursache dafür liegt in den schwierigen Erfahrungen, die die Jugend mit Sex ohne eheliche Bindung zu machen scheint. Sex ohne Bindung bedeutet eigentlich, Sex ohne wahre Liebe. Die Jugend lernt von den heutigen Eltern, dass «Affairen» durchaus in Ordnung sind. Dass aber eben durch eine solche verfälschte Erfahrung erster sexueller Liebe die wesentlichen «positiven» Erfahrungen nicht gemacht werden, aber an deren Stelle «negative», enttäuschende Erlebnisse sich tief in die Gemüter der jungen Menschen eingraphieren, gilt als eine erwiesene Tatsache.

 

Möchte man die heutige Jugend mehr vor schädlichen Einflüssen schützen, so wäre es durchaus angebracht, auf die Gefahren einer verfrühten sexuellen Aktivität aufmerksam zu machen.

 

Wiederum wäre es die Sache der Eltern, die Jugend vor diesen Gefahren einer verfrühten sexuellen Beziehung zu warnen. Hier stösst man jedoch auf die gegenteiligen Tendenzen in den öffentlichen Institutionen und Schulen, die einer solchen präventiven, aufklärenden Aktivität der Eltern vollends entgegenwirken. Die sogenannten Sexualaufklärungsprogramme beinhalten zum Teil fatale Fehler, die anstatt wirklich über gewisse Gefahren aufzuklären, die Jugend zur «Selbsterfahrung» animieren.(Siehe S. 13)

 

Als Alternative zu unserer permissiven Gesellschaft können die Fernöstlichen Kulturen gesehen werden, die in Bezug auf Familienstruktur «weniger avantgardistisch» oder nihilistisch reagieren und die Gefahr der sozialen Unordnung, des gesellschaftlichen Chaos, nach unserem westlichen Beispiel, nicht einfach ignorieren. In diesen Ländern ist jedoch die gesellschaftliche Struktur noch so, da meistens in Grossfamilien zusammengelebt wird, dass ein derartiges Ausmass an Familienzerfall oder sexueller Aktivität Jugendlicher, wie bei uns nicht aufkommen kann.

 

Die Rolle der Eltern als Ratgeber in diesen Fragen oder sogar als Vermittler eines Ehepartners für ihre Kinder ist durchaus noch intakt Es gehört in gewissen Kulturen zur Tradition, dass Ehen der Kinder durch die eigenen Eltern vermittelt werden. Das muss kein Problem darstellen, wenn die Ehepartner aus freien Stücken dieses «Matchmaking» akzeptieren. Von der Wichtigkeit der Entscheidung betreffend eines Ehepartners gesehen, ist es vielleicht sogar von Vorteil den Ratschlag eines älteren Menschen mit grösserer Lebenserfahrung in Betracht zu ziehen.

 

Abschliessend ist zu diesem Thema noch zu sagen, dass wie auch immer die Ehen zustande kommen, es braucht über Jahre hinweg ein ernstes Bemühen beider Ehepartner, ihre Beziehung zu unterhalten und weiterzuentwickeln sodass eine warme gut harmonierende Ehe und Familie bestehen bleibt.

 

 

5.3            Die Familie ist die erste Schule von Ethik, Moral und des Friedens

 

Die Familie ist eine Schule der Sitten und des Benehmens. Eltern versuchen ganz natürlich, ihren Kindern moralische, ehtische Normen beizubringen. Keine Eltern wollen, dass ihre Kinder gewalttätig, selbstsüchtig, unehrlich sind. Eltern sind andererseits stolz, wenn ihre Kinder andere respektieren und den Respekt anderer verdienen.

 

Die Charakterbildung vollzieht sich in der Familie; Charakter und Norm werden in der Familie überliefert.

 

Gute wie schlechte Charaktereigenschaften werden durch die Familie von Generation zu Generation weitergegeben. Das Grad der Integrität und das Beispiel der Eltern sind in der Regel der Massstab für die Familienethik, die unsere Gesellschaft prägt. Der gesetzliche Rahmen dieser Gesellschaft wird beinflusst durch die Lebensweise, die in den Familien praktiziert wird. Die Familien bestimmen deshalb weitgehend die Normen unserer Kultur und Gesellschaft.

 

Die Werte , die in einer Familie eine zentrale Rolle spielen, (z.B. elterliche Liebe, geschwisterliche Liebe, kindliche Loyalität, eheliche Treue) sind universelle Werte, die ganz unabhängig von Rasse, Kultur, Nationalität, Allgemeingültigkeit besitzen. Diese Werte wurden nicht geschaffen, sondern sind wie geistige Lebensprinzipien und Normen.Sie sind die moralische Fiber und die Grundlage der Gesellschaft.

 

Die Gesellschaft ist aus Familien von Bürgern zusammengesetzt, welche die Qualität der Beziehungen, die sie in ihren Familien erlernt haben, in einem weiteren sozialen Umfeld praktizieren. Soziale Beziehungen folgen dem Muster der Beziehungen in den Familien:

 

Familie

Gesellschaft

Bruder – Schwester

Arbeitskollege - Arbeitskollegin

Bruder – Bruder

Arbeitskollege - Arbeitskollege

Freund - Freund

Schwester – Schwester

Arbeitskollegin – Arbeitskollegin

Freundin - Freundin

Eltern – Kinder

Präsident – Volk

Betriebsleiter – Angestellter

Professor – Student

Kinder - Eltern

Geschäftsmann – Kunde

Junge Menschen – Alte Menschen

Sekretärin – Direktor

Angestellter – Personalchefin

Künstler - Publikum

*Ehemann - Ehefrau

(Nur Familienbeziehung; keine öffentliche Funktion!)

 

*Viele Probleme entstehen, wenn im öffentlichen, gesellschaftlichen Leben die Mann - Frau Beziehungen nicht als Bruder – Schwester Beziehungen gesehen werden.

 

Die Beziehungen im gesellschaftlichen Alltag sind eine Wiederspiegelung der Beziehungen in den Familien. Deshalb muss die Familie als Schule der Beziehungsfähigkeit, der Liebe, der Ethik und Moral sowie des Friedens als Institution funktionieren können, da sonst die Zivilisation und Kultur sehr rapide zu Grunde gehen. In der Familie können ein sich Einfügen in eine natürlich hierarchische Beziehung in einer natürlichen Weise erlernt werden. Ebenso können echte Partnerschaft, Zusammenarbeit, Teamgeist in den eigenen vier Wänden auf die direkteste Weise praktiziert werden. Weiter sind Verantwortung, Arbeitsteilung, Initiative sowie Gewissenhaftigkeit ebenfalls am Besten in der Mikrogesellschaft der Familie lernbar.

 

Dass viele Leute die «traditonelle Familie» heute über Bord werfen wollen, ist eine Zeiterscheinung, man will sich allen «althergebrachten» Dingen entledigen, ohne jedoch eine klare Alternative zu haben. Deshalb ist die Frage nicht nach einer neuen Familienstruktur zu suchen, sondern die bestehende Familienstruktur nicht nur von der Form her sondern vom Inhalt her neu zu beleben. Solide, echte Familienbeziehungen, ernst gemeinte Liebe und nicht blosse Lippenbekenntnisse oder zeitgebundene romantische Affären sollten in unserem Leben die Regel werden.

 

Aber wir alle sind damit einverstanden, dass wir oftmals nicht genug Zeit dafür aufwenden, gute Familienbeziehungen aufzubauen und zu unterhalten.

 

So folgern wir abschliessend:

«Die Familie ist die wichtigste menschliche Organisation, die alleine den Bedürfnissen ihrer Mitglieder entspricht. Sie ist eine freie und generöse Institution die ihre Mitglieder durch das ganze Leben hindurch begleitet.»

 

Deshalb ist sie die Grundlage für gemeinsame Werte und Verständnis unter den Menschen weltweit. Deshalb ist sie auch die Grundlage des Friedens.

 

 

5.4            Die partnerschaftliche Familie - der Grundbaustein für eine demokratische Gesellschaft und Welt

 

Das Motto des Jahres der Familie in 1994 (IYF, UNO –Motto für das Jahr) war «Die Schaffung der kleinsten Demokratie im Herzen unserer Gesellschaft». Damit wird bestätigt, dass unsere demokratische Gesellschaft auf den gemeinsamen Werten aufbaut, die in der Familie erlernt werden. Diese Werte, Ideen und Lebensformen der Demokratie müssen in der Familie gelehrt, erlernt und verwirklicht werden, damit auch überlebensfähige Demokratien in unserer Gesellschaft und Welt verwirklicht werden können. Wenn Kinder in «demokratischen» Familienstrukturen aufwachsen, kann auch eine Hoffnung bestehen, dass sie eines Tages zu verantwortlichen Erwachsenen werden können, die mithelfen werden demokratische Strukturen und Grundlagen in ihrer Gesellschaft und Nation zu erschaffen. Diese für uns Westeuropäer «normale» Realität der Demokratie, ist jedoch in der Mehrzahl der knapp 200 Nationen weltweit keine Selbverständlichkeit.

 

Im Vergleich zu den während der Feudalzeit auch in Europa herrschenden strikt hierarchischen Verhältnissen der Feudalgesellschaft, sind die heutigen auf «Dominanz» beruhenden männlich partriarchalischen Familien in Europa eher am Zurückgehen. Ebenso wie die Feudal – Gesellschaft durch die Demokratie abgelöst wurde, so wurden auch die Familienstrukturen eher richtung partnerschaftliche Familien verändert. Die «partnerschaftliche Familie» ist in krassem Kontrast mit der «Dominator» Familie. In den meisten Ländern der dritten Welt, in Afrika, Teilen Südamerikas, Südostasiens, der Arabischen Welt hingegen, ist diese auf Dominanz beruhende Familienstruktur noch sehr fest verankert. Eine der Nebenerscheinung dieser Familienstruktur ist Gewalt in den Familien, gegenüber Frauen und Kindern, Kindermissbrauch, usw. Die auf der starken Dominanz der Eltern beruhende, Familienstruktur bringt problematische Beziehungsverhältnisse mit sich; oft sind die Beziehungen nicht ehrlich oder herzlich, sondern eher pflichtbezogen.

 

5.4.1               Vergleich der dominanten und partnerschaftlichen Familien

 

Dominante Familien

Partnerschaftliche Familien

Kompetitive Strukturen

Ko-operative Strukturen

·      Missbrauch von Macht

·      Keine gleichen Rechte

·      Familiengeheimnisse

·      Unbewegliche und belastende Verhaltensregeln

·      Steifes Rollenverständnis der beiden Geschlechter

·      Kein Arbeitsteilung im Haushalt

·      Keine gemeinsamen Familienaktivitäten

·      Wirtschaftliche Last einseitig getragen

·      Kein Respekt für persönliche Privatsphere

·      Gewinn- oder verlier – Konfliktbewältigung

·      Keine geteilte Entscheidungsgewalt

·      Kein gemeinsames «Parenting»

·      Gefühle sind unbedeutend

·      Disziplinierung durch Gewalt und Blossstellen

·      Keine Fehler werden eingestanden

·      Keine Entschuldigungen

·      Probleme andern zuschieben

·      Verschlossenheit gegenüber Aussenstehenden

·      Loyalität in der Familie als Pflicht

·      Widerstand gegen Veränderung

·      Keine Einheit in der Familie

·      Kein Schutz vor phys.od. psych. Missbrauch

·      Konflikte werden verschwiegen

·      Wenig oder gar keine Freude in der Familie

·      Kinder sind nicht geplant und auch nicht erwünscht.

·      Angepasster Gebrauch von Macht

·      Gleiche Rechte

·      Offene Kommunikation, keine Geheimnisse

·      Flexible Verhaltensregeln

·      Bewegliches Rollenverständnis der beiden Geschlechter

·      Arbeitsteilung im Haushalt zw. Partnern

·      Geplante Familienaktivitäten

·      Wirtschaftliche Last geteilt

·      Respekt für persönliche Privatsphere

·      Gewinner – Konfliktbewältigung

·      Geteilte Entscheidungsgewalt

·      Gemeinsames «Parenting»

·      Alle Gefühle sind akzeptiert

·      Disziplin aufgrund von Respekt und Vertrauen

·      Fehler werden eingestanden

·      Entschuldigungen werden gemacht, wenn nötig

·      Probleme selbst verantwortlich angehen

·      Offenheit gegenüber Aussenstehenden

·      Loyalität in der Familie aufgrund von Vertrauen

·      Offenheit für Veränderung

·      Kohesive Familieneinheit

·      Mitglieder fühlen sich sicher, beschützt

·      Konflikte werden sofort gelöst

·      Familie ist eine Quelle der Freude und Hoffnung

·      Kinder sind geplant und auch vollends erwünscht.

 

 

5.5            Das universelle Modell der Ehe und Familie

.

5.5.1               Familienbeziehungen sind durch geistige Gesetze bestimmt und nicht durch gesellschaftliche Konventionen

 

Der bekannte Redner Stephen Covey, nennt sie «wahre Nordprinzipien». Es sind universelle Gesetze die das menschliche Verhalten bestimmen. Einige Beispiele: «Gib und du wirst erhalten; Du erntest was Du sähst.»

 

Gemäss Covey sind solche Prinzipien «nicht durch uns oder die Gesellschaft entwickelt worden, sondern vielmehr Gesetze des Universums, die menschliche Beziehungen und Organisationen betreffen».

 

Diese Prinzipien sind in das Gefüge jeder zivilisierten Gesellschaft eingewoben und sind die Wurzeln jeder Familie und menschlichen Institution die überdauert und sich durchgesetzt hat.(Covey, Prinzipiengerechte Führung, Ste. 18)

 

Die Beziehungen in der Familie werden grundsätzlich durch natürliche und geistige Gesetze bestimmt und nicht durch blosse gesellschaftliche Konventionen. Deshalb liegen ihre Wurzeln in der menschlichen Logik und Vernunft, Ethik und Sittlichkeit begründet. Aus diesem Grunde kommen soziale und politische Bemühungen alleine, dem heutigen Familienzerfall nicht bei.

 

 

5.5.2               Der Zusammenbruch der Gesellschaft geht weiter voran, wenn die Menschen den universalen, von Gott gegebenen Zweck von Ehe und Familie, ignorieren

 

Jeder einzelne Mensch wurde aus der Liebe seiner Eltern (der Liebe zwischen Vater und Mutter) heraus gezeugt und in diese Welt gebracht. Auch diejenigen die dieses universale Gesetz in Frage stellen sind in derselben Weise zur Welt gekommen. Ob wir diese Tatsache als allgemeingültiges Prinzip erkennen oder nicht – Fakten sind Fakten.

 

Es ist ein sinnvolles Prinzip, dass Mann und Frau, nach dem Erreichen der Reife, eine eheliche Beziehung eingehen und damit den Zweck für seinen Partner zu leben erfüllen. Der Mann wurde geboren und existiert für sein Gegenüber, seine Anima, die Frau. Die Frau wurde geboren und existiert für ihr Gegenüber, ihr Mann. Nicht nur bringt diese Beziehung für beide höchste Freude und höchstes Glück, durch die Verwirklichung einer partnerschaftlichen Liebesbeziehung, sondern gleichzeitig schaffen beide durch ihre Einheit neues Leben.

 

Der Wunsch eine Ehe und Familie zu gründen, ist demzufolge ein universaler Zweck, den der Mensch seinem Wesen entsprechend in seinem Leben verwirklichen sollte. Sein ganzes Wesen drückt diese ursprüngliche Zweckbestimmung aus, von den äusseren wie auch den inneren Wesensmerkmalen her betrachtet.

 

 

Durch das Ignorieren seiner eigentlichen Zweckbestimmung entfremdet er sich mehr und mehr von seiner eigentlichen Natur. Der sich entfremdete Mensch findet weder Erfüllung in seinem Dasein, noch ein rationales Verständnis seiner eigenen Situation. Aus Frustration und Enttäuschung heraus werden Ersatzbefriedigungen zu willkommenen Stützen für nicht ausgelebtes wahres Leben, die Gefahren von Sucht, Konsumwut, Agressivität, werden sehr gross. Die heutige Jugend drückt diese innere Frustration sowie die zusammenhängenden gefährlichen Tendenzen besonders stark aus.

 

 

5.5.3               Soziale und gesellschaftliche Probleme können durch gesunde und echt liebende Familien am sichersten gelöst werden

 

Genauso wie die Vereinten Nationen zum «Jahr der Familie» (1994) die Familie als kleinste Zelle der Demokratie und als Schule für demokratisches Verhalten zwecks Verwicklichung einer demokratischen Gesellschaft und Welt, deklariert hat, so müsste man die Familie, in der echte und aufrichtige Liebesbeziehungen praktiziert werden, als eine Zelle für die Genesung einer an Selbstsucht krankenden Gesellschaft und Welt sehen.

 

Ohne liebende Familien – keine friedliche Gesellschaft und Welt!

 

 

5.5.4               Gute Familien pflegen «sexuelle Verantwortung»

 

Viele junge Frauen, die unverantwortliche sexuelle Beziehungen eingehen, tun dies, weil Ihnen in ihrer Kindheit wenig Zärtlichkeit von seiten der Eltern, namentlich des Vaters, zugekommen ist. Eltern, die wenig Zuneigung und Zärtlichkeit ihren Kindern geben, schaffen damit eine Grundlage für einen übersteigerten und verfrühten Hang zur Sexualität in ihren Söhnen und Töchtern. Damit sind Eltern sehr stark angehalten ihre Gefühle der Liebe und Zuneigung ihren Kindern, auch bis in das Erwachsenenalter hin, auszudrücken. Der heranwachsende Mensch braucht Wärme und Zuneigung als Wertschätzung und Bestätigung.

(Chuck Swindoll, Vater: Männliches Modell der Führung - Portland, Oregon Multinomali Press, 1990) (True Family Values, Seite 176)

 

Durch sexuell verantwortliches Verhalten werden potentiell sehr gefährliche soziale Probleme, wie AIDS, Abtreibungen und ungewollte Teenage-Elternschaften, am effektivsten entschärft.

 

 

5.5.5               Statistiken zeigen auf, dass verheiratete Paare glücklicher, gesünder und wirtschaftlich stärker sind als Ledige oder Paare in einer «freien» Gemeinschaft lebend

 

Verheiratete Paare haben eine um 80 - 85% grössere Treuerate als Paare im Konkubinat lebend. Weiter haben verheiratete Pare 50 - 70% weniger Vorkommnis von Gewalt in der Partnerschaftsbeziehung, ja in Bezug auf schwere Gewelttätigkeit sogar 80% weniger Vorkommnis als "freie" Partnerschaften.(Stanton). David Blackenhorn sagt, dass der passende Ausdruck nicht die "Ehefrau zu schlagen" sondern eher die "Freundin zu schlagen" ist.

 

Verheiratete Paare erfahren eine bessere geistige und körperliche Gesundheit und leben länger als Ledige und Junggesellen. Sie tragen in der Regel besser Sorge zur eigenen geistigen und körperlichen Verfassung. Auch leiden sie in der Privatsphäre unter weniger Stress, weshalb die Neigung zu Herzversagen geringer ist.

 

Verheiratete Paare haben ein erfüllenderes Liebesleben, als Ledige und Junggesellen! Dies wird durch eine "Redbook -Magazin" - Umfrage bei 100000 Frauen bestätigt. Doppelt soviele verheiratete Frauen wie ledige, erklärten sich als erfüllt in ihrem Liebesleben.

 

Gute Familien bringen verantwortliche Bürger hervor, die Recht und Gesetz respektieren.

(siehe 5.4: Gute Partnerschaftliche Familien erhalten unsere Demokratie durch gute Bürger.

 

Ein gesundes Familienleben vermindert die Tendenz zum Drogen- und Alkoholmissbrauch.

Geschiedene und getrennt lebende Männer machen rund 70% der Alkoholiker aus, während der Anteil an verheirateten Männern nur 15% beträgt.(Stanton)

Genetische oder erblich bedingte Ursachen sind nur zu 30% massgebend für das Ausbrechen von Geisteskrankheiten, was bedeutet, dass zu 70% Geisteskrankheiten durch das äussere Umfeld zum Ausbruch gebracht werden. Schizophrenie ist 5 mal höher bei ledigen als bei verheirateten Männern. Der Selbstmord kommt bei verheirateten Paaren im Vergleich zu den anderen Sozialgruppen ganz klar am wenigsten vor. (Stanton)

 

Wir suchen heute ein Familienmodell, das den Herausforderungen des modernen Lebens gerecht werden kann.

 

Wir wollen die Vorzüge des modernen Zeitalters im Bezug auf die Lebensqualität nicht herunterspielen. Sie sind offensichtlich: Erleichterte Kommunikation durch moderne Transport- und Kommunikationsmittel, gute Lebensqualität durch hochentwickelte Infrastrukturl, usw...

Portable Telefone, Internet und E-mail, sind grosse Erleichterungen in der Kommunikation, jedoch geben sie nicht automatisch eine Garantie für harmonische, menschliche Beziehungen und Familien. Wenn der äussere Fortschritt nicht der Schaffung von guten, harmonischen Familien dient, wird er wertlos oder gar schädlich.

 

Wir brauchen somit ein echtes Modell für die heutige Familie, etwas was nicht nur gut klingt, sondern praktisch in der modernen Gesellschaft verwirklichbar ist und unserer heutigen gesellschaftlichen Realität Rechnung trägt.

 

Die Methode zur Verwirklichung dieses Modells sehen wir in einer neuen, familiengerechten Ethik, die wir als "Wahre Familienwerte" oder "Wahre Familienethik" bezeichnen.

 

Als Schlüsselpunkte dieser Werte sehen wir:

1)      Eine Wahre Familie trägt eines Universalen Zweckes für die menschliche Familie Rechnung.

2)      Sie widmet sich einem Weg der geistigen Reifung und des Wachstums.

3)      Sie erfreut sich daran, einer grösseren Gemeinschaft (der Gesellschaft) zu dienen.

 

Wahre Ehen und Familien können dann entstehen, wenn die Partner den idealen Standard wahrer Liebe in Ihrer Ehe und Familie verwirklichen können.

 

Wichtige religiöse Führer der heutigen Zeit haben einen bedeutenden Teil ihres Lebens damit zugebracht, einen Weg der Verwirklichung der Ideale wahrer Liebe, wahrer Ehen und wahrer Familien zu finden.

 

Es ist wichtig, für unsere Ehen und Familien, in Einklang mit den geistigen Gesetzen zu leben. Die Einheit mit der Quelle wahrer Liebe befähigt uns, damit in den Bereich "Wahrer Liebe" gelangen. Sicherlich ist dies die ideale Ausgangslage für eine Eheschliessung, gewissermassen ein

 

Einverständnis Gottes miteinzubeziehen. Auf der anderen Seite ist ein Neubeginn auch in einer bereits bestehenden Ehe möglich, wenn wir bereit sind, unser Eheversprechen nach dem Standard der Wahren Liebe, zu erneuern. Eine solche Erneuerung des Eheversprechens kommt einer wirklichen Neuschliessung der Ehe sehr nahe.